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Es lebt - das denke ich oft, wenn ich jetzt,
im Jahr 2012, ins Mehrgenerationenhaus Bernsdorf komme.
Auf dem Parkplatz bekannte Autos, ein freiwilliger Handwerker
im Flur, der streicht, bohrt oder wischt, in jedem Raum
Licht und Aktivität, sei es Kaffeekochen, Malen,
Billard spielen oder eine Beratung. Eine Frau im besten
Alter bestellt in der Kaffee-Ecke Tee für sich
und die Freundinnen, bekommt den Tratsch gratis dazu.
Ein Jugendlicher hockt am PC und sucht mit der Jugendtreffleiterin
gemeinsam nach Vorlagen für ein Graffiti. Wenn
nicht gerade Winter ist, quietscht und lacht es auf
dem Spielplatz, weil die eigentlich noch zu Kleinen
doch auf den Kletterberg gekrabbelt und jetzt nicht
sicher sind, ob sie stolz oder ängstlich sein sollen.
In regelmäßigen Abständen klingelt die
Schelle des Eiskrans, weil es so spannend ist, wie das
Körbchen mit Eis am Stiel sich langsam senkt.
Für mich selbst ist die Team-Routine das Schönste.
Was ich damit meine? Dass die Kollegin fragt, ob es
mir gut geht, wenn ich mich NICHT erkundige, ob es etwas
Neues gibt. Dass auf meine Frage, ob der Grüne
Salon schon für die Beratung morgen früh vorbereitet
ist, immer die Antwort "schon erledigt" folgt,
weil die Mitarbeiter den Ablauf im Haus inzwischen besser
kennen als ich. Dass ich jeden zweiten Tag begrüßt
werde mit "
ich habe nochmal über die
Idee von gestern nachgedacht, und mir ist eine Lösung
eingefallen
". Dass wir gemeinsam über
die Höhen und Tiefen lachen können: der Innenminister
beim Hausrundgang in der Küche ohne Bodyguards
in einem Raum voll scharfer Messer. Der Landrat, der
ein Trampolin sponsorte, und es aktiv einweihen "durfte".
Das Scheitern meines Kampfes von Seniorencafè
und Jugendclub im gleichen Raum. Der Kindergeburtstag,
wo im November frischer! Erdbeerkuchen bestellt war.
Das MGH Bernsdorf hat im Jahr 2006 begonnen. Wir sind
nur noch zwei, die diesen Anfang hautnah miterlebten.
Die Gruppe Ein-Euro-Jobber, die vollkommen leere Räume
heimelig gestalten sollten. Eine einzelne Aktive, die
einmal wöchentlich den Yogakurs durchführte
und manchmal das Highlight unserer Woche war.
Die Versuche, Diskussionsforen und Vortragsreihen zu
etablieren, zu denen niemand kam. Die offiziellen Besuche,
zu denen wir Alibikinder und gestellte Beratungsrunden
ins Haus einluden, damit es lebte. Das alles ist nicht
mehr nötig. Wir haben gelernt, und die Bernsdorfer
auch.
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Wir haben aufgehört, Dinge anzubieten und erzwingen
zu wollen und stattdessen zugehört. Die Bernsdorfer
haben festgestellt, dass es sich lohnt, hierhin "ans
Ende der Welt" zu kommen - weil die Kurse Qualität
haben, weil es ein bisschen wie zu Hause ist, weil immer
jemand zum Reden da ist und weil man fast alles machen
kann, wenn man sich engagiert. Und weil es manchmal
auch Vorteile hat, nicht mitten in der Stadt zu sein.
Unser Außengelände bietet aktuell den einzigen
öffentlichen Spielplatz in Bernsdorf. Und im Winter
ist der Schmelzteich eine gut genutzte Schlittschuhfläche.
Zum Aufwärmen sind wir ja da.
Im Haus sind 25 Kursangebote fest installiert, ein
25-köpfiges Team - Festangestellte, Ehrenamtliche,
Honorarkräfte, Teilzeitkräfte, Selbstständige
- ist für 300 Besucher pro Woche da. Vom Kleinkind,
das sich über den Riesenteddy freuen kann, bis
zum über 80-Jährigen, für den es schon
das neueste Betriebssystem seines Laptops sein muss.
Von der Alltagsbegleiterin, die Senioren den Tag verschönt,
bis zur arbeitsuchenden Migrantin, die im JobCenter
Hilfe beim Verfassen einer Bewerbung erhält.
Ich durfte die Entwicklung dieses Hauses über
fünf Jahre beobachten und begleiten. Es ist das
Ergebnis vieler Ideen und Aktionen. Es wäre nichts
geworden ohne den Trägerverbund aus Stadt, RAA
Sachsen und Euroschulen, ohne zahlreiche Geldgeber und
praktische Unterstützer, ohne all die Mitarbeiter,
von denen jeder seinen eigenen Stil mitbrachte, ohne
die Besucher, die uns immer wieder forderten. In unserem
Flur hängt eine Tafel unter dem Motto "Wir
legen hier Hand an" mit vielen Handabdrücken.
Diese stammen von Mitarbeitern, Ministern, Mitmachern.
Eigentlich kann es gar nicht sein - aber auf der Tafel
ist noch Platz. Da habe ich doch viel Mut für die
nächsten fünf Jahre.
Am 31. März, von 14 und 18 Uhr, feiern wir unser
Jubiläum mit der alljährlichen Spielplatzeröffnung
und dem offiziellen Startschuss des neuen Projektes
"Spielplatzschule". Lernen Sie unser Haus
hautnah kennen, lassen Sie sich kreativ, sportlich,
kindlich oder bildungstechnisch betätigen, mit
vielen Leuten ins Gespräch kommen. Natürlich
werden auch unsere Hauspaten, Ministerpräsident
Tillich und Buchhändler Jörg Stübing,
da sein.
Maren Düsberg, Koordinatorin des MGH Bernsdorf
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